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Paxlovid für die Massen?

Kräftig rührt Bundesgesundheitsminister (BGM) Karl Lauterbach weiter ungeachtet der bestehenden Evidenzlage die Werbetrommel für das Corona-Medikament Paxlovid.

Mittlerweile wird dessen Einsatz gar ein großer Teil ganzseitiger Zeitungsannoncen des BGM gewidmet (siehe Bild). Indes hat sich an der Empfehlungslage nichts geändert. Nach bekannten Studienergebnissen ist ein Einsatz vor allem bei nicht oder unvollständig immunisierten PatientInnen indiziert.

Über die für den Laien als generelle Empfehlung aufzufassende Aussage des BGM, die mit einem Seitenhieb auch gleich den behandelnden HausärztInnen einen Tritt ans Schienbein gibt (“… frühzeitige Corona-Therapie … zu wenig genutzt, obwohl sie die Sterblichkeit … erheblich senkt”).

Immer mehr entfernt sich das Bundesgesundheitsministerium hier von einer ehedem auch durch die Politik als hoch priorisiert betrachteten evidenzbasierten Medizin (man denke nur an das eigens zur Evidenzbewertung unter Federführung der Regierung etablierte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWIG) hin zu einer eminenzbasierten Empfehlung. Herr Lauterbach (die “Eminenz”) empfiehl – die ÄrztInnen mögen bitte willenlos folgen!

Hier dreht sch leider vernünftigen Mediziner:innen der Magen um. Gerade beim Thema Paxlovid ist höchste Sensibilität gefragt, da das Interaktionspotenzial riesig und die Bedeutung der ausgelösten Wechselwirkungen gravierend ist. Dabei finden Sich in unserem hausärztlichen Behandlungsfeld derzeit nahezu keine relevant erwähnenswerte Erkrankungsverläufe bei Menschen der besonders gefährdeten Altersgruppe. Hier gingen die Covidinfektion bei den i.d.R. vierfach geimpften Senior:innen meist nicht über eine geringes Krankheitsgefühl, Schnupfen und etwas Husten hinaus – hier würde der Einsatz des hochgelobten Medikaments nach reiflicher Abwägung mehr Schadpotenzial als Nutzen bergen!

Ein anderer Faktor lässt der “Paxlovidkampagne” noch einen anderen Beigeschmack zukommen: bis Februar 2023 vefallen 280.000 Dosen Paxlovid. 280.000 Dosen, die sich der Hersteller Pfizer freilich schon millionenschwer hat bezahlen lassen. Allein trägt der Bund nun das Risiko und läuft Gefahr, erneut einen hohen Millionenbetrag zu verbrennen. Klar, dass der Bundesgesundheitsminister hier unter Druck gerät – ob er auch deshalb versucht “sein Heilmittel” an den Mann zu bringen bleibt aber eine Spekulation.

Bild: Ausschnitt Anzeige BMG